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Die negativen Auswirkungen der neuen Medien – und ihre Bearbeitung im unterrichtlichen Kontext

Dieser Artikel entstand für die Online-Lernumgebung „Lehren – Lernen – Digitalität“ der Universität Luzern und ist zunächst dort erschienen als Teil des Lernmoduls „Grundlagen“.

Die neuen Medien stellen uns auch vor neue Herausforderungen und haben neue Probleme hervorgebracht. Auf diese hinzuweisen und sie mit den Schülerinnen und Schüler kritisch zu reflektieren und bei ihnen ein Bewusstsein für die Gefahren zu schaffen ist ein elementarer Teil der (ethischen) Medienkompetenz.

In diesem Rahmen erscheinen verschiedene Aspekte sinnvoll, um sie mit den Schüler*innen im Unterricht zu erarbeiten. Einige seien hier genannt:

Die ethischen Probleme, die diesen Themengebieten zu Grunde liegen, sind in keiner Weise vollkommen neu, doch sie werden durch die neuen Medien einerseits verstärkt und andererseits auch direkter und belastender für die Betroffenen. Daher ist eine Behandlung dieser Themen im unterrichtlichen Kontext sinnvoll.

Dies kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Nicht immer ist die direkte Thematisierung eines Themenbereiches die beste Wahl. Auch in der abschließenden Reflexion einer Lernsituation kann erst eine Übertragung stattfinden und zuvor erarbeitete Ergebnisse können praktisch angewendet werden.

Insgesamt ist die Bearbeitung aber empfehlenswert, da beispielsweise Cyber-Mobbing viele der Schüler*innen selbst betrifft und durch Konzepte wie BYOD (Bring Your Own Device) ausgelöst oder verstärkt werden können. Das BYOD-Konzept wirft eine soziale Frage auf, die direkt in den Klassenraum getragen wird und dort bearbeitet werden sollte!

Studien zum Thema Cyber-Mobbing kommen zu unterschiedlichen und teils widersprüchlichen Aussagen, wie viele Schüler*innen von Cyber-Mobbing tatsächlich betroffen waren oder sind. Es lässt sich jedoch festhalten, dass Cyber-Mobbing als solches durchaus zunimmt und die Zahl der betroffenen Jugendlichen etwa ein Sechstel bis ein Fünftel der entsprechenden Altersgruppe ist. Cyber-Mobbing lässt sich definieren als aggressives Handeln gegenüber einem Opfer, das mit Hilfe von elektronischen Hilfsmitteln wie Smartphones und dem Computer, also über das Internet stattfindet (vgl. Quandt / Festl 20).

Die Beschäftigung mit dem Themenschwerpunkt Cyber-Mobbing ist insbesondere deswegen so essentiell, da traditionelles Mobbing zwar weiterhin häufiger auftritt, Cyber-Mobbing sich aber folgenschwerer auswirkt (vgl. Dilk 14; klicksafe.de Cyber-Mobbing): „Gemeine und niederträchtige Botschaften verbleiben oft über Monate, gar Jahre im Netz“ (Quandt / Festl 13), was umgangssprachlich auch mit dem Merksatz „Das Internet vergisst nichts“ umschrieben wird. Des Weiteren ist keinesfalls zu vernachlässigen, dass das Publikum im Internet ungleich größer ist und sich die Inhalte dort unkontrolliert(er) und in einer rasenden Geschwindigkeit weiter verbreiten könne (vgl. klicksafe.de Cyber-Mobbing). Das Internet bietet den Tätern zusätzlich einen gewissen Schutz durch die Anonymität, in der sie agieren können beziehungsweise durch die Verschleierung der eigenen Identität oder gar durch das Vorgeben einer falschen Identität (vgl. ebd.). Dadurch bedingt werden außerdem gewisse Grenzen aufgehoben, die in der Täter-Opfer-Relation bisher galten: Cyber-Mobbing findet nicht mehr nur zwischen Gleichaltrigen und mehr oder weniger Bekannten statt, sondern auch über Generationen und über lokale Grenzen hinweg (vgl. ebd.). Für die Opfer ist Cyber-Mobbing daher deutlich belastender als klassisches, direktes Mobbing, da sie keinerlei Rückzugsort mehr haben. Durch die ständige Umgebung mit digitalen Medien ist auch das Mobbing ständig anwesend und kann nicht vor der eigenen Haustür zurück gelassen werden (vgl. ebd.; vgl. Beranek).

Der Themen-Schwerpunkt Cyber-Mobbing im Unterricht kann Schülerinnen und Schülern außerdem weitere thematische Felder aufzeigen. So dürfte etwa der Datenschutz ein Aspekt sein, der in diesem Kontext relevant ist, da er verstärkend aufzeigt, wie wenig ein Opfer sich vom Mobbing über die Medien lösen kann.

Ein anderer Aspekt, der beim Umgang mit neuen Medien im unterrichtlichen Kontext immer bedacht werden sollte, ist inwieweit die Schüler*innen verantwortungsbewusst mit diesen Medien und den damit verbundenen Möglichkeiten umgehen. Neben dem eben ausgeführten Cyber-Mobbing müssen die Schüler*innen in der Lage sein, konzentriert beim Unterrichtsgegenstand zu bleiben trotz der größeren Freiheiten, die ihnen nun unter Umständen zugestanden werden. Das typische Beispiel, das sicher jeder Lehrkraft bekannt ist: Die Schüler*innen sollen zu einem bestimmten Thema recherchieren, rufen aber (auch) andere Internetseiten auf. Bekommen die Schüler*innen nun entsprechend mehr Medien, Möglichkeiten, Freiheiten, … potenzieren sich auch die Möglichkeiten, vom eigentlichen Unterrichtsthema abzuschweifen. Aber diesem möglichen Problem kann durch ein langsames Einüben vorgebeugt werden. Außerdem sinnvoll ist in diesem Zusammenhang sicherlich, die Medien so einzusetzen, dass die Schüler*innen zur Selbsttätigkeit aufgefordert sind – das oben erwähnte Recherche-Beispiel würde Schüler*innen möglicherweise auch in einer analogen Variante langweilen. Interessanter und motivierender sind sicherlich Szenarien, in denen die Kompetenzen der Schüler*innen in den Bereichen Kreativität, Kommunikation, Kollaboration und Kritisches Denken gefordert sind und gefördert werden (vgl. 4K-Modell). Der Medieneinsatz allein ist nur im ersten Moment motivationssteigernd. Für einen langfristigen Erfolg benötigt es Szenarien der zeitgemäßen Bildung mit all ihren Facetten – nicht nur ein zusätzliches Medium, dass jetzt eben neu und digital ist.

Literaturnachweis

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